Über

Die Idee

Inwiefern prägen sich Revolution und Transformation in ein sich über Generationen weiter erzählendes Bewusstsein ein? Wie kann das auch den Blick für anderweitige identitätsstiftende gesellschaftliche Umbruchsmomente schärfen? Wie wird überhaupt aktuell in unserer Medienlandschaft über #RevolutionTransformation, die Folgen des Umbruchs 1989/90 berichtet? Welche Themen und Perspektiven fehlen auch jetzt noch?

“Freischwimmen – SummerSchool zu #RevolutionTransformation” bringt junge Medienschaffende an einen Ort, dessen Identität von der Teilungsgeschichte geprägt ist, in Diskurse, die so genannte “Othering”-Mechanismen beleuchten, Leerstellen in bestehenden Erzählungen sichtbar machen und einladen, neue eigene Zugänge zu #RevolutionTransformation zu entwickeln.

Es geht um den eigenen Standpunkt und um die Frage was uns als Menschen in Deutschland vermeintlich trennt und was verbindet, um Ideen wie #RevolutionTransformation so erzählt werden kann, dass Zeitzeug:innen sich darin wiederfinden. Und, dass auch junge Menschen & Menschen mit Vielfaltsperspektive einen Zugang finden. 
 
Wir möchten das nicht nur mit Expert:innen und Praktiker:innen diskutieren sondern ganz konkret ausprobieren indem wir gesellschaftliche Momentaufnahmen zu #RevolutionTransformation als journalistische Feldforschung entwickeln, verfassen und veröffentlichen.
 
Die Erkundung der unmittelbaren SummerSchool-Umgebung stellt die Leinwand für tiefere Analysen und Beobachtungen rund um #RevolutionTransformation – auch im Sinne einer Selbstbeobachtung.
Die Journalist:innen sollen in die Lage versetzt werden, über den spezifischen Ort hinaus Perspektiven auf Transformation zu entwickeln und den eigenen Standpunkt zu reflektieren. Das heißt, nicht über andere zu schreiben, sondern miteinander zu schreiben und ganz dicht ranzugehen an einen Ort und dessen Menschen. Und jüngere Ansätze wie den konstruktiv-lösungsorientierten Journalismus auszuprobieren. 
 
Wir wollen in mehreren Schritten erkunden: Wo finden wir überhaupt Spuren der größeren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen Transformation? Wie haben der Umbruch 1989/90 und die Jahre danach ganz konkret einen Ort umgeschrieben? Wie lässt sich das mit den individuellen Erfahrungen der Menschen vor Ort zusammenzubringen? Und welche Perspektive und Fragen können wir als junge Medienschaffende für unsere Leser:innen einbringen?

Transformations- & Kreativort

Der Ort: Zeitz & das Kloster Posa

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands blieben in Zeitz lediglich drei industrielle Standbeine bestehen. Die Zuckerfabrik, Zetti (heute nicht mehr in Zeitz) und die ZEMAG (produzierte noch bis 2004). Nach vielen Jahren Leerstand der Hallen der ZEMAG übernahm die Zeitzer Guss GmbH die Betriebsstätte, was zu einem massiven Beschäftigungsverlust führte, der ein Viertel der Bevölkerung dazu zwang, die Stadt zu verlassen. 1996 entstand auf dem Gebiet der historischen Domfreiheit das Brühl-Center, das viele Geschäfte und ein Kino beherbergte. Im Jahr 2011 wurde das Objekt zwangsversteigert. Heute sind im Objekt keine Geschäfte mehr zu finden. 2012 konnte allerdings das Kino wieder eröffnen und auch eine Bowlingbahn ist jetzt im Brühl-Center. 
 
Zeitz weist heute eine hohe Arbeitslosenquote auf, was zu weiterem Einwohnerrückgang und Leerstand führt. Deshalb ist das Bild der Stadt heute von Abrissflächen und Ruinen geprägt. 
 
Gleichzeitig profitiert Zeitz von seiner günstigen Anbindung Richtung Leipzig und dem dortigen Boom. Und wo der Freiraum auch in Leipzig langsam knapper wird, ist er in Zeitz noch reichlich vorhanden. So zieht es immer mehr Kreative in die 30.000-Einwohner:innen-Stadt. Einer der kreativen Dreh- und Angelpunkte der Stadt: das Kunsthaus in der eheamligen Stadtbibliothek, die viele Jahre lang leer stand.
Ein anderes kreatives Zentrum der Stadt: das Kloster Posa, mit Siebdruckwerkstatt, Ateliers, Kino und vielem mehr.
 
Doch die Transformation wird in Zeitz nicht nur von Kreativköpfen gemacht. Mitten im Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier gelegen steht der Region in den kommenden Jahren die nächste große Transformation nach der Wende bevor – oder ist gar schon da.
 
100 Jahre nach der Auflösung des Klosters wurden auf Grund des desolaten Zustands der Gebäude die Gemäuer abgetragen und dienten als Material zum Bau des Schloss Moritzburg in Zeitz. Für die nächsten 400 Jahre blieb das ehemalige Kloster eine landwirtschaftlich genutzte Domäne und unterstand königlicher Verwaltung. Zu DDR-Zeiten als volkseigener Viehzuchtbetrieb und Möbellager genutzt, kaufte die Stadt Zeitz das Gelände nach dem Umbruch 1989/90 zurück.
 
Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, hat das Gelände des früheren Klosters einen neuen Pächter gefunden – den Verein Kultur- und Bildungsstätte Kloster Posa. Unter dem Motto “Kultur stiftet Identität” ist der Verein bestrebt die Kulturlandschaft Mitteldeutschlands zu bereichern, die Vernetzung und den Austausch in den Bereichen Kunst und Kultur sowie Natur und Umwelt zeitgenössisch und nachhaltig zu fördern.
 
(Foto: Transmedial)

Inputgeber:innen

Katharina Thoms

Speaker

Katharina ist Journalistin für Radio und Online und TV. Ihr kennt sie vielleicht als Kopf und Stimme hinter dem Podcast “Mensch Mutta” – Grimme Award inklusive. Aktuell arbeitet sie als Landeskorrespondentin Baden-Württemberg für das Deutschlandradio. Nebenbei gibt sie Workshops zu verschiedenen Themen, u.a. bei der ARD.ZDF Medienakademie, verschiedenen öffentlich-rechtlichen Sendern und Journalistenschulen. Davor hat Katharina vor allem für den Südwestrundfunk gearbeitet: Als landespolitische Korrespondentin für Baden-Württemberg, zuvor lange Jahre als Reporterin und Redakteurin im SWR Studio Tübingen.

Morgane Llanque

Speaker

Morgane arbeitet seit 2019 als Redakteurin beim enorm Magazin, davor war sie unter anderem für die taz, die Kooperative Berlin und Spiegel Online als freie Journalistin tätig. Llanque schreibt über Menschen und Bewegungen, die sich für intersektionale Gerechtigkeit einsetzten: Dafür stellt sie in ihren Artikeln Fragen wie: Wie schafft man ein Lieferketten-Gesetz, das geschlechtergerecht ist? Wie kann man Umweltschutz und indigene Interessen miteinander verbinden?

Inga Dreyer

Redaktionelle Betreuung

Inga Dreyer ist Redakteurin beim Portal Wissenschaftskommunikation.de und arbeitet als freie Journalistin in Berlin zu sozialen, politischen und kulturellen Themen. Nach ihrem Volontariat bei einer Tageszeitung war sie als Lokalredakteurin in Brandenburg unterwegs und hat mit der Jugendpresse e.V. Projekte für Nachwuchsjournalist*innen organisiert.

Phoebe Platzhalter

Reporterin, DDR-Expertin

Unsere:n vierte Inputgeber*in geben wir euch kurzfristig bekannt